Vier Extralöcher, eine bogeyfreie 62 im Finale und ein 49-Jähriger, der die Golfwelt noch einmal verzückt hat: Das Omega European Masters 2026 in Crans-Montana (3. bis 6. September) hat alles geliefert, was ein Spätsommer-Highlight braucht. Am Ende jubelte Thriston Lawrence. Der Südafrikaner setzte sich am 6. September 2026 im Stechen gegen Paul Casey durch, holte seinen dritten Titel in den Schweizer Alpen und stellte damit eine Bestmarke ein, die bislang nur eine echte Legende hielt. Wir hatten dir das Turnier in unserer Vorschau auf das European Masters 2026 bereits als Geheimtipp der Saison angekündigt – und Crans hat Wort gehalten.
Playoff-Drama auf 1.500 Metern Höhe
Nach 72 Löchern auf dem Crans-sur-Sierre Golf Club standen Lawrence und Casey gemeinsam bei 18 unter Par (262 Schläge) – und dann wurde es richtig zäh. Viermal ging es auf die Par-4-18, viermal konnte sich keiner entscheidend absetzen, ehe Lawrence im vierten Extraloch einen Birdieputt aus 23 Fuß (gut sieben Meter) versenkte. Laut Golf Today war es der Schlusspunkt eines Finaltags, an dem Lawrence eine bogeyfreie 62 mit acht Birdies aufs Tableau zauberte – seine Runden: 64-63-73-62. Wer sonntags eine 62 schießt und trotzdem in die Verlängerung muss, weiß, dass auf der anderen Seite jemand Außergewöhnliches unterwegs war.
Bemerkenswert an Lawrence' Woche ist die Achterbahn dazwischen: Nach zwei Auftaktrunden von 64 und 63 folgte am Samstag eine 73, die ihn scheinbar aus dem Rennen warf – ehe er am Sonntag mit der Runde des Tages zurückschlug. Genau diese Fähigkeit, einen rabenschwarzen Moving Day komplett abzuhaken, unterscheidet Champions von guten Spielern. Ein Muster, das man sich als Amateur ruhig einrahmen darf: Die letzte Runde zählt genauso viel wie die erste.
Casey: Fast das Comeback des Jahres – und eine große Geste
Dieser Jemand war Paul Casey. Der 49-jährige Engländer spielte am Samstag eine 63 und erwischte dabei laut Golf Channel einen Lauf von 29 Schlägen auf den ersten neun Löchern. Mit drei Schlägen Vorsprung ging er in den Finaltag, doch ausgerechnet am 72. Loch rutschte ihm der Parputt vorbei – Bogey, Playoff, und am Ende die bittere Niederlage nach vier Extralöchern. Seine Schlussrunden von 67-64-63-68 hätten in den meisten Wochen locker zum Sieg gereicht.
Was von Caseys Woche bleibt, ist aber mehr als eine verpasste Chance: Wie Golf Today berichtet, spendet er sein komplettes Preisgeld für Platz zwei – 354.734 Euro – an die Fondation Beloved, die Opfer des Brandes in einer Bar von Crans-Montana an Neujahr unterstützt. Chapeau. So viel Klasse neben dem Platz sieht man im Profisport selten.
Lawrence auf den Spuren von Seve
Für Lawrence war es der dritte Triumph beim European Masters – damit zieht er mit Seve Ballesteros gleich, dem bislang einzigen Spieler, der das Traditionsturnier in seiner 103-jährigen Geschichte dreimal gewinnen konnte. Laut Golf News Net kassierte der Südafrikaner 637.500 US-Dollar aus der Gesamtbörse von 3,75 Millionen sowie 835 Punkte für das Race to Dubai. In der Höhenluft von Crans, wo der Ball spürbar weiter fliegt und die Grüns zu den schnellsten der Tour gehören, ist ein dritter Titel keine Laune des Zufalls, sondern ein Statement.
Wiesberger mischt wieder vorne mit
Aus DACH-Sicht gab es ebenfalls Grund zur Freude: Bernd Wiesberger beendete das Turnier laut Golf Today mit 16 unter Par auf dem geteilten vierten Platz – nur zwei Schläge fehlten ihm auf das Playoff. Der Österreicher zeigte damit, dass mit ihm auf der DP World Tour weiterhin zu rechnen ist. Für die europäischen Fans bleibt das European Masters genau das, was es immer war: das vielleicht stimmungsvollste Turnier des Kontinents, hoch über dem Rhonetal gelegen, mit Leaderboards, die bis zum letzten Putt eng bleiben. Dass sich hier binnen vier Tagen gleich mehrere Geschichten fürs Archiv stapelten – Caseys Altherren-Zauber, Lawrence' Rekordjagd, ein Vier-Loch-Playoff –, unterstreicht einmal mehr den Sonderstatus dieses Turniers im Tour-Kalender.
Was du dir aus Crans-Montana abschauen kannst
Die Lehre dieser Woche: Gewonnen wurde nicht mit dem Driver, sondern rund ums Grün – Lawrence' Playoff-Birdie und Caseys 29er-Front-Nine waren vor allem das Ergebnis von Distanzkontrolle und Spin. Genau da trennt sich auch bei uns Amateuren die Spreu vom Weizen. Wenn du wissen willst, warum die Profis ausnahmslos Urethanbälle spielen, lies unseren Ratgeber Urethan vs. Surlyn im großen Vergleich – und wenn du den Unterschied selbst spüren willst, ist der Lobbie PURE mit Urethan-Cover und ordentlich Greenside-Spin unser Kandidat für dein kurzes Spiel.
So geht es weiter auf der DP World Tour
Lange durchatmen ist nicht: Vom 10. bis 13. September 2026 steht die Amgen Irish Open auf dem Programm, direkt danach folgt vom 17. bis 20. September das Flaggschiff-Event der Tour, die BMW PGA Championship in Wentworth. Die Formkurven von Lawrence, Casey und Wiesberger machen jedenfalls Lust auf einen heißen Herbst auf der europäischen Tour – und wir behalten das Geschehen selbstverständlich für dich im Blick. Bis dahin gilt: Wer die 62 von Lawrence gesehen hat, weiß wieder, warum dieser Sport süchtig macht.
Quellen: Golf Today, Golf Channel, Golf News Net, DP World Tour

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