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Drei Punkte Rückstand vor dem Finaltag, ein tobendes Heimpublikum und zwölf Einzel, die alles entscheiden: Der Presidents Cup 2026 im Medinah Country Club bei Chicago hat am 27. September ein Finale geliefert, das in die Geschichtsbücher eingeht. Team USA gewann 17:13 gegen das Internationale Team – nach dem größten Finaltag-Comeback, das es in diesem Wettbewerb je gegeben hat.

Die Ausgangslage: Internationals greifbar nah am zweiten Titel

Bis Samstagabend sah alles nach einer Sensation aus. Das Internationale Team um Kapitän Geoff Ogilvy führte vor den Sonntag-Einzeln mit 10,5:7,5 – drei Punkte Vorsprung gegen ein US-Team, das diesen Wettbewerb seit Jahrzehnten dominiert. Der Grundstein dafür wurde am Freitag gelegt: In den Foursomes fegten die Internationals die Amerikaner mit 5:0 vom Platz, ein kompletter Sweep gegen ein Team voller Major-Sieger. Laut Sky Sports war das der Moment, in dem in Medinah zum ersten Mal seit Langem echte Nervosität auf US-Seite zu spüren war.

Zur Einordnung: Das Internationale Team hat den Presidents Cup in 16 Austragungen genau einmal gewonnen, 1998 in Melbourne. Seitdem warten Fans außerhalb der USA und Europas auf den zweiten Streich. Am Samstagabend schien er zum Greifen nah. Die Tage davor waren ein ständiges Hin und Her gewesen: Die Donnerstag-Fourballs gingen noch mit 3:2 an die Gastgeber, ehe der Freitag alles auf den Kopf stellte. Am Samstag holten die Amerikaner die Fourballs knapp mit 2,5:1,5, die Foursomes am Nachmittag endeten ausgeglichen – und so nahmen die Internationals ihre Drei-Punkte-Führung mit in die Nacht vor den Einzeln.

Wer bei Medinah und Comeback übrigens ein Déjà-vu hat: völlig zu Recht. Auf demselben Gelände drehte Europa beim Ryder Cup 2012 am Finaltag einen 6:10-Rückstand und schrieb als „Miracle at Medinah“ Golfgeschichte. Vierzehn Jahre später hat der Platz wieder ein Schlusstag-Wunder gesehen – diesmal allerdings zugunsten der Amerikaner, die 2012 noch die Leidtragenden waren. Manche Orte ziehen das Drama offenbar magisch an.

Der Finaltag: 9,5 von 12 Punkten für die USA

Was dann am Sonntag passierte, war brutal einseitig. Das Team von US-Kapitän Brandt Snedeker holte 9,5 der 12 möglichen Punkte aus den Einzeln und verwandelte den 7,5:10,5-Rückstand in einen 17:13-Sieg. Laut PGA Tour ist das das größte Finaltag-Comeback in der Geschichte des Presidents Cup – kein Team hatte zuvor einen Drei-Punkte-Rückstand am Schlusstag noch gedreht.

Entscheidend waren zwei Matches, die auf den letzten neun Löchern komplett kippten: Zweifach-Major-Sieger Collin Morikawa drehte sein Einzel auf den Back Nine, und auch der erst 21-jährige Rookie Jackson Koivun holte ein Match, das lange gegen ihn lief. Den Schlusspunkt setzten Russell Henley und Nick Taylor, die sich im letzten Einzel des Tages die Hand zum geteilten Punkt gaben – da stand der Gesamtsieg der Amerikaner allerdings längst fest.

Rookie Koivun als Gesicht der Woche

Wenn ein Name aus dieser Woche hängen bleibt, dann Jackson Koivun. Der 21-Jährige war einer von sechs Captain's Picks von Brandt Snedeker – und zahlte das Vertrauen komplett zurück. Laut Sky Sports beendete Koivun die Woche als einziger Spieler beider Teams ohne Niederlage. Dazu überzeugte das eingespielte Duo Scottie Scheffler und Sam Burns, das gemeinsam mehrere Punkte in den Teamformaten einsammelte, unter anderem in den Samstag-Fourballs.

Elf Siege in Serie: Wie lange geht das noch gut?

Mit dem Erfolg von Medinah stehen die USA nun bei elf Presidents-Cup-Siegen in Folge und einer Gesamtbilanz von 14 Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden aus 16 Austragungen. Für den Wettbewerb ist das Ergebnis Fluch und Segen zugleich: Sportlich war diese Ausgabe so eng und dramatisch wie selten – drei Tage lang führten die Internationals und hatten den Titel in Reichweite. Am Ende steht trotzdem wieder derselbe Sieger, und die Frage, wann Ogilvys Team die letzte Hürde nimmt, bleibt offen. Die nächste Chance gibt es 2028, wenn der Presidents Cup turnusgemäß wieder ausgetragen wird.

Aus deutscher Sicht bleibt der Presidents Cup ein Wettbewerb zum Zuschauen: Europäische Spieler sind hier nicht startberechtigt, die treten im Ryder Cup an. Genau deshalb lohnt sich der Blick aber doppelt – viele der Akteure von Medinah werden 2027 beim Ryder Cup in Adare Manor wieder im Mittelpunkt stehen, dann gegen Europa.

Was du dir vom Finaltag abschauen kannst

Das Comeback von Medinah zeigt, was Matchplay so besonders macht: Es ist nie vorbei, solange noch Löcher zu spielen sind. Wer drei Löcher hinten liegt, braucht keine Wunderschläge, sondern Pars mit Druck – die Fehler macht meistens der andere. Und: Momentum ist im Matchplay eine echte Währung. Ein gewonnenes Loch zur richtigen Zeit kippt nicht nur ein Match, sondern – wie am Sonntag zu sehen – einen ganzen Wettbewerb.

Für deine eigene Lochspiel-Runde heißt das konkret: Spiel das Loch, nicht den Gegner. Wer auf jeden Ausschlag des Gegners reagiert, riskiert Dummheiten – die Profis in Medinah haben am Sonntag vor allem eines gemacht, nämlich Fairways und Grüns getroffen und den Druck arbeiten lassen. Zweitens: Gib nie ein Loch innerlich auf. Morikawa und Koivun lagen in ihren Matches hinten und gewannen trotzdem, weil sie Loch für Loch dachten statt in Zwischenständen. Und drittens: Das 18. Loch gewinnt Matches. Wer seine Kräfte und seine Konzentration so einteilt, dass am Schluss noch etwas übrig ist, holt sich die halben Punkte, die am Ende – siehe Henley gegen Taylor – über ganze Wettbewerbe entscheiden können.

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Fazit: Ein Klassiker, der wehtut

Der Presidents Cup 2026 war drei Tage lang die Geschichte eines möglichen Umbruchs – und einen Tag lang die Demonstration, warum die USA diesen Wettbewerb seit 1998 nicht mehr hergegeben haben. Für die Internationals um Geoff Ogilvy ist das 13:17 nach 5:0-Sweep und Drei-Punkte-Führung die vielleicht bitterste Niederlage der Cup-Geschichte. Für die Fans war es eines der besten Finals, das der Wettbewerb je zu bieten hatte. Stand 28. September 2026 gilt: Die Serie lebt – und sie wird zur Hypothek für alle, die sie irgendwann brechen wollen.

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